Wenn Stille zur Sprache wird: Das Phänomen der Stille in der Musik
Stille gilt gemeinhin als das Gegenteil von Musik – als jener leere Raum, der erst gefüllt werden muss, bevor Kunst entstehen kann. Doch wer genauer hinhört, bemerkt bald, dass diese Annahme zu kurz greift. In der Kompositionslehre, der Aufführungspraxis und der Musikästhetik nimmt Stille längst einen eigenständigen, ja unverzichtbaren Platz ein. Sie ist nicht das Nichts, das auf Klang wartet, sondern ein eigenständiges Ausdrucksmittel, das Spannung aufbaut, Bedeutung verdichtet und das Gehörte im Nachklang erst vollständig werden lässt.

Am deutlichsten hat dies vielleicht John Cage vor Augen geführt, als er 1952 das Stück „4'33"




